EDIH Südwestfalen geht in die nächste Förderphase

Ein wichtiger Erfolg für die digitale Innovationsarbeit in der Region: Der EDIH Südwestfalen erhält die EU-Förderung für eine zweite Projektphase. Damit wird die Arbeit des EDIH über den bisherigen Förderzeitraum hinaus fortgesetzt und weiter ausgebaut. Die neue Förderphase läuft von Januar 2026 bis Dezember 2028.

Die erneute Förderung bestätigt den erfolgreichen Aufbau des EDIH Südwestfalen als zentrale Anlaufstelle für digitale Innovationen in der Region. In der ersten Projektphase konnten zahlreiche Unternehmen und Organisationen bei der Einführung und Erprobung digitaler Technologien unterstützt werden. Besonders Formate wie praxisnahe Workshops, Train-the-Trainer-Veranstaltungen, Informations- und Netzwerkformate sowie Unternehmensbesuche und Digitalisierungsprojekte stießen auf sehr große Resonanz und wurden von den Teilnehmenden als niedrigschwellig, hilfreich und direkt umsetzbar wahrgenommen.

In der zweiten Förderphase wird dieser erfolgreiche Ansatz konsequent weitergeführt und inhaltlich geschärft. Der neue thematische Schwerpunkt des EDIH Südwestfalen richtet sich künftig stärker am Leitthema Künstliche Intelligenz aus und legt dabei einen besonderen Fokus auf die Anbindung an europäische KI- und Dateninfrastrukturen. Ziel ist es, Unternehmen und Organisationen noch gezielter dabei zu unterstützen, KI-Technologien verantwortungsvoll, praxisnah und zukunftssicher in ihre Prozesse zu integrieren. Damit bleibt der EDIH Südwestfalen ein zentraler Impulsgeber für digitale Innovation, Vernetzung und Zukunftsfähigkeit in der Region.

 

Zukunftswerkstatt – Digitalisierung in der GFO: Impulse, Austausch und konkrete Zukunftsbilder

Wie kann Digitalisierung den Arbeitsalltag in den verschiedenen Einrichtungen der Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe (GFO) der unterstützen? Mit dieser Leitfrage hat der EDIH Südwestfalen gemeinsam mit der GFO mehrere Veranstaltungen unter dem Titel „Zukunftswerkstatt – Digitalisierung in der GFO“ durchgeführt. Die GFO ist ein starker gemeinnütziger, regional verankerter Verbund mit über 100 Einrichtungen und rund 17.500 Mitarbeitenden in Nordrhein-Westfalen und dem nördlichen Rheinland-Pfalz, der von Krankenhäusern und MVZ über Pflegeeinrichtungen, Hospize und Palliativversorgung bis hin zu Kindergärten, Erziehungshilfen, Schulen und Bildungsangeboten im Gesundheitsbereich reicht.

Ziel der Veranstaltungsreihe war es, Mitarbeitende aktiv einzubeziehen, Erfahrungen sichtbar zu machen und gemeinsam erste Ideen für die digitale Weiterentwicklung zu entwickeln. Im Mittelpunkt stand dabei nicht nur die Technik selbst, sondern auch der Austausch: Was läuft bereits gut? Wo hakt es? Und welche digitalen Lösungen könnten in Zukunft helfen?

Ziel der Veranstaltungsreihe war es, einen praxisnahen Überblick über die Möglichkeiten der Digitalisierung zu geben und gleichzeitig Raum für offenen Austausch zu schaffen. Mitarbeitende aus unterschiedlichen Fachbereichen konnten ihre bisherigen Erfahrungen mit Digitalisierungsprojekten teilen, voneinander lernen und gemeinsam diskutieren, wo digitale Lösungen im Arbeitsalltag unterstützen können. Ein weiterer Schwerpunkt lag darauf, die aktive Beteiligung der Mitarbeitenden zu fördern, konkrete Bedarfe sichtbar zu machen und bestehende Hemmnisse offen anzusprechen. Auf dieser Grundlage sollten Design Fictions, d.h. erste Ideen für alltagstaugliche, realistische digitale Lösungen entstehen, die sich an den tatsächlichen Anforderungen der GFO orientieren.

Die Zukunftswerkstatt zeigt, dass Digitalisierung dann besonders wirksam ist, wenn sie gemeinsam mit den Mitarbeitenden entwickelt wird. Für den EDIH Südwestfalen und die GFO bieten die Workshops eine wertvolle Basis, um Digitalisierungsbedarfe zu priorisieren, Hemmnisse gezielt anzugehen und nächste Projektideen weiter auszuarbeiten.

Smarte Produktion in der flexiblen, skalierbaren Fertigungszelle

Wie können produzierende Unternehmen flexibel, wirtschaftlich und zugleich nachhaltiger auf steigende Variantenvielfalt reagieren? Mit dieser Fragestellung beschäftigte sich das Projekt SkaLaB – Skalierbares Zentrum für die Herstellung von Karosseriebauteilen aus Blech. Gemeinsam mit den Lehrstühlen für Umformtechnik (UTS) und Fertigungsautomatisierung und Montage (FAMS) der Universität Siegen sowie Partnern wie der FernUniversität in Hagen, HMT Heldener Metalltechnik GmbH & Co. KG, Franz Hof GmbH, ISG Industrielle Steuerungstechnik GmbH, MPA Technology GmbH, TWT GmbH, VIA Consult GmbH & Co. KG und voestalpine AG hat der EDIH Südwestfalen eine flexible, ökonomisch und ökologisch nachhaltigere Produktionszelle für Blechbauteile entwickelt. Gefördert wurde SkaLaB im Rahmen des Moduls a2 durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Insbesondere in der Automobil- und Zulieferindustrie wächst der Bedarf an flexiblen Produktionssystemen, da klassische, starr verkettete Anlagen häufig nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden können, wenn Varianten zunehmen und die Losgrößen sinken. Vor diesem Hintergrund zielte SkaLaB darauf ab, hochflexible, seriennah nutzbare Herstellungszentren zu entwickeln, mit denen geometrisch unterschiedliche Karosseriebauteile auch bei Stückzahlen unter 50.000 pro Jahr wirtschaftlich gefertigt werden können. Die Prozessketten sind dabei modular und rekonfigurierbar aufgebaut, sodass sie sich an wechselnde Anforderungen anpassen lassen und perspektivisch sogar eine wirtschaftliche Fertigung bis hin zur Losgröße 1 ermöglichen.

Anfang Dezember 2025 wurde der Demonstrator an der Universität Siegen erfolgreich vorgestellt. Zwei Use-Cases zeigten live, wie die skalierbare Fertigungszelle flexibel auf unterschiedliche Bauteilgeometrien reagiert. Herzstück des Projekts ist ein neu entwickelter, KI-basierter Prozessgenerator, der ausgehend von CAD-Daten automatisiert geeignete Prozessketten plant und Roboter, Sensorik sowie unterschiedliche Maschinentypen intelligent aufeinander abstimmt. Ergänzt wird die reale Fertigungszelle durch eine vollständig digital abgebildete Version – einen digitalen Zwilling –, in der Prozesse simuliert, analysiert und optimiert werden können, bevor sie physisch umgesetzt werden. Auf diese Weise entstehen eine höhere Flexibilität bei Produktwechseln, eine transparente und datenbasierte Prozessplanung sowie wirtschaftlich tragfähige Lösungen auch für kleinere Serien bei gleichzeitig reduzierten Umrüstzeiten und Investitionsrisiken.

Seit dem Projektstart im Januar 2022 wurden der Aufbau einer skalier- und rekonfigurierbaren Demonstratorzelle, die Entwicklung repräsentativer Bauteile, die Validierung durch zwei erfolgreiche Use-Cases, die Implementierung eines KI-gestützten Prozessplanungsansatzes sowie die Erarbeitung eines tragfähigen Geschäftsmodells realisiert. Auch nach dem offiziellen Projektabschluss wird die Zelle weiter genutzt und für Demonstrationen in Forschung und Wirtschaft geöffnet. SkaLaB zeigt damit praxisnah, wie produzierende Unternehmen durch modulare Fertigungssysteme, KI-gestützte Prozessplanung, digitale Zwillinge und flexible Automatisierung ihre Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig stärken können und liefert wichtige Impulse für die digitale Transformation der Industrie – insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen in Südwestfalen.

Digitale Exergames für Prävention und Rehabilitation

Gemeinsam mit Plankpad und der Marien Aktiv gGmbH hat der EDIH Südwestfalen ein Projekt zur Entwicklung und Erprobung digitaler Bewegungsspiele für die Rehabilitation und Prävention umgesetzt. Plankpad ist ein innovatives Trainingssystem, das körperliche Aktivität mit interaktiven Spielelementen verbindet und damit neue, motivierende Zugänge zu Bewegung schafft. Die Anwendungspartnerin Marien Aktiv ist einer der größten ambulanten Reha- und Präventionsanbieter in der Region Siegen mit rund 60–80 Mitarbeitenden. An zwei modern ausgestatteten Standorten, darunter ein Zentrum direkt am St. Marien-Krankenhaus, bietet Marien Aktiv ein breites Spektrum in der orthopädischen und kardiologischen Rehabilitation, Prävention sowie betrieblichen Gesundheitsförderung und gilt als besonders innovationsoffene Einrichtung.

Ziel des gemeinsamen Projekts war es, mehrere therapeutisch fundierte Exergames für das Plankpad zu konzipieren, die gezielt Rumpfstabilität, Gleichgewicht, Koordination und Reaktionsfähigkeit fördern. Ausgangspunkt bildete eine umfassende Bedarfs- und Kontextanalyse direkt aus dem rehabilitativen Alltag. In enger Zusammenarbeit mit Therapeutinnen, Therapeuten und Teilnehmenden von Marien Aktiv, unter anderem im Rahmen des von der Deutschen Rentenversicherung geförderten Präventionsprogramms RV Fit – wurden Anforderungen, Nutzungsszenarien und Einsatzmöglichkeiten digitaler Trainingssysteme untersucht. Dabei zeigte sich eine hohe Akzeptanz spielerischer, digitaler Bewegungsangebote sowie ein klarer Bedarf an niedrigschwelligen Lösungen, die sich flexibel in bestehende Therapieabläufe integrieren lassen.

Auf dieser Basis wurden Exergame-Konzepte entwickelt, die körperliches Training mit spielerischer Motivation verbinden. Fortschrittsanzeigen und interaktive Aufgaben sorgen dafür, dass Bewegung nicht nur effektiv, sondern auch motivierend gestaltet wird. Ein besonderer Fokus lag darauf, die Anwendungen so zu gestalten, dass sie sowohl selbstständig als auch therapeutisch begleitet genutzt werden können und sich beispielsweise in Wartezeiten oder zwischen Therapieeinheiten sinnvoll einsetzen lassen. Dadurch können Bewegungszeiten erhöht und therapeutische Prozesse unterstützt werden, ohne den Praxisalltag zusätzlich zu belasten.

Die entwickelten Exergames werden bei der Marien Aktiv in einem realen Reha- und Präventionssetting implementiert und pilotiert. Die Einrichtung bot mit ihrer interdisziplinären Struktur, der vorhandenen technischen Infrastruktur und einer breiten Zielgruppe optimale Voraussetzungen für eine praxisnahe Erprobung. Das Projekt ist inzwischen abgeschlossen. Aktuell befindet es sich in einer wissenschaftlichen Abschlussevaluierung, in der Akzeptanz, Nutzung und therapeutische Effekte der digitalen Exergames systematisch ausgewertet werden. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, digitale Bewegungsspiele wie das Plankpad langfristig als evidenzbasierte Ergänzung in der medizinischen Rehabilitation und Prävention zu etablieren.

Makerthon Hagen: Wenn aus Ideen konkrete Lösungen werden

Ein ganzes Wochenende lang verwandelte sich die erste Etage des M12 in einen kreativen Hochleistungsraum. 30 Studierende – überwiegend von der Fachhochschule Südwestfalen – stellten sich sechs realen Herausforderungen regionaler Industriebetriebe. Die Aufgabe: In nur 24 Stunden tragfähige Konzepte entwickeln, die echten Mehrwert liefern.

Der Makerthon – eine Kombination aus „Make“ und „Marathon“ – setzt bewusst auf Tempo, Teamarbeit und Praxisnähe. Statt theoretischer Fallstudien arbeiteten die Teams an konkreten Fragestellungen aus Unternehmen der Region Südwestfalen. Kommunikation auf Englisch, interdisziplinäre Gruppen, hoher Zeitdruck – die Bedingungen waren anspruchsvoll. Genau das machte den Reiz aus. Die Themen reichten von digitalem Vertrieb über nachhaltige Innovationen bis hin zur Erschließung neuer Märkte. Für viele Betriebe steht die Industrie vor einem tiefgreifenden Transformationsprozess – neue Geschäftsmodelle, Digitalisierung, Klimaanforderungen und Fachkräftesicherung inklusive. Genau hier setzte das Format an: frische Perspektiven von außen, kombiniert mit unternehmerischer Realität. Am Samstag präsentierten die Teams ihre Ergebnisse vor einer Fachjury aus Wirtschaft und Hochschule. Bewertet wurden Innovationsgrad, Umsetzbarkeit und strategischer Nutzen.

Mehr als ein Wettbewerb

Für SCHLAGER Industrieofenbau entwickelten Studierende eine digitale Vertriebslösung, die Prozesse effizienter gestaltet und unnötige Kundentermine reduziert. Ein Konzept, das unmittelbar einsetzbar ist. Mehrere Unternehmen luden ihre Teams im Anschluss zu weiterführenden Gesprächen ein, um die Ansätze zu vertiefen. Genau hier zeigt sich der eigentliche Mehrwert: Der Makerthon war nicht nur Ideenschmiede, sondern auch Talentplattform.

Ein Format mit Zukunft

Der erste Industrie-Makerthon im M12 hat gezeigt, wie viel Potenzial in der Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Wirtschaft steckt. In nur 24 Stunden entstanden praxistaugliche Konzepte, neue Netzwerke und konkrete Anknüpfungspunkte für weitere Kooperationen. Gerade im industriell geprägten Südwestfalen ist die Sicherung von Fachkräften ein strategisches Thema. Formate wie dieses schaffen direkte Kontakte zwischen engagierten Studierenden und Unternehmen – praxisnah, auf Augenhöhe und mit echtem Mehrwert für beide Seiten.

Digitale Onboarding-Plattform

Gemeinsam mit invema e. V. hat der EDIH Südwestfalen eine digitale Onboarding-Plattform für neue Mitarbeitende entwickelt. Ziel war es, den Einstieg ins Unternehmen einfacher, übersichtlicher und zeitgemäßer zu gestalten – ganz ohne dicke Ordner und Zettelwirtschaft.

Die invema e. V. ist ein etablierter sozialer Träger mit über 400 Mitarbeitenden, der Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen begleitet und unterstützt. Invema steht für professionelle soziale Arbeit, klare Strukturen und gleichzeitig für Offenheit gegenüber neuen, digitalen Lösungen. Genau diese Mischung aus Praxisnähe und Innovationsbereitschaft hat Invema zu einem starken Projektpartner für uns gemacht.

In dem neuen System können sich neue und alte Mitarbeitende über einen geschützten Login anmelden und sehen direkt die Inhalte, die für ihren jeweiligen Bereich relevant sind. Die klassische Startermappe wurde dabei eins zu eins in die digitale Welt übertragen: gleiche Struktur, gleiche Kapitel, gleiche Farben – nur eben online und jederzeit verfügbar.

Alle Inhalte sind klar gegliedert, leicht auffindbar und auch auf dem Smartphone gut nutzbar. Egal ob Infos zu Abläufen, Ansprechpartnern oder wichtigen Dokumenten – alles ist zentral an einem Ort gebündelt. Je nach Bereich werden zusätzlich spezielle Inhalte freigeschaltet, sodass niemand von Informationen erschlagen wird, die er oder sie gar nicht braucht.

Ein weiterer wichtiger Punkt war die einfache Pflege der Inhalte: Teamleitungen und verantwortliche Personen können die Inhalte ihres eigenen Bereichs selbst aktualisieren, neue Dokumente hochladen und neue Mitarbeitende zuordnen – ganz ohne technische Vorkenntnisse. Gleichzeitig bleibt alles sauber getrennt, sodass jede*r nur den eigenen Bereich bearbeiten kann.

Das Projekt ist abgeschlossen, befindet sich aktuell aber noch in einer wissenschaftlichen Abschlussevaluierung, in der Nutzung, Akzeptanz und Mehrwert der digitalen Onboarding-Plattform systematisch ausgewertet werden. Die Ergebnisse liefern wertvolle Erkenntnisse für die Weiterentwicklung und den nachhaltigen Einsatz digitaler Onboarding-Lösungen im sozialen Bereich.

EDIH beim IHK Einzelhandelsausschuss

Künstliche Intelligenz und insbesondere der Einsatz von ChatGPT standen im Mittelpunkt der Sitzung des IHK-Einzelhandelsausschusses der IHK Siegen am 29.10.2025. KI-Experte Florian Breda von der Universität Siegen, der als Experte des EDIH Südwestfalen bereits zum zweiten Mal in den Einzelhandelsausschuss eingeladen wurde, zeigte praxisnah auf, wie Handelsunternehmen KI gewinnbringend einsetzen können. Ein Schwerpunkt lag auf der automatisierten Kundenkommunikation, bei der Anfragen effizient und strukturiert beantwortet werden können.

Darüber hinaus erläuterte Breda weitere Anwendungsmöglichkeiten anhand konkreter Beispiele aus der Praxis. So können im Autohaus durch das Scannen von Kennzeichen beim Befahren des Geländes relevante Kundendaten in Echtzeit bereitgestellt werden. Service-Mitarbeitende erhalten dadurch sofort spezifische Informationen und können gezielt auf individuelle Bedürfnisse eingehen. Auch im Bereich Social Media demonstrierte er, wie mithilfe von KI-Tools automatisiert Videoinhalte erstellt und für Marketingzwecke genutzt werden können.

Abschluss der Workshop-Reihe „Digital Scouts“

Mit der Workshop-Reihe „Digital Scouts“ wurde ein bewährtes Erfolgsformat erneut erfolgreich umgesetzt. Die Reihe hat sich in den vergangenen Durchläufen sowohl im EDIH Südwestfalen als auch im Mittelstand-Digital Zentrum Ländliche Regionen etabliert und richtet sich gezielt an kleine und mittlere Unternehmen sowie das Handwerk. Zwischen dem 11. September und dem 27. November 2025 kamen die Teilnehmenden in Essen, Oberhausen und Mülheim an der Ruhr zusammen, um Digitalisierung praxisnah, strukturiert und unternehmensnah voranzubringen.

Im Zentrum stehen die „Digital Scouts“ – engagierte Mitarbeitende, die die digitale Transformation im eigenen Unternehmen von innen heraus anstoßen. Ziel der Reihe ist es, sie zu befähigen, eine aktive Vorreiterrolle einzunehmen, Digitalisierungsstrategien zu entwickeln, Vorbehalte abzubauen und den Austausch mit anderen Unternehmen zu nutzen. Charakteristisch für das Format ist die enge Verzahnung von kurzen Impulsen und intensiven Praxisübungen. Betriebsbesichtigungen sowie der Austausch mit Expert:innen sorgen zusätzlich für Anwendungsnähe und direkte Umsetzbarkeit.

Inhaltlich deckte die Reihe zentrale Bausteine der digitalen Transformation ab: von Geschäftsmodellanalyse und -innovation über Customer Journey Mapping bis hin zur Prozessmodellierung mit BPMN. Der vierte Workshop widmete sich schließlich dem Thema Change Management. Damit rückte die Frage in den Fokus, wie digitale Veränderungen im Unternehmen nicht nur geplant, sondern auch erfolgreich umgesetzt und kulturell verankert werden können.

Den Abschluss bildete am 27.11.2025 eine gemeinsame Veranstaltung mit dem traditionellen Technologierundgang durch die Lern- und Forschungsfabrik der Ruhr-Universität Bochum. Unter Moderation der EDIH-Mitarbeiter Timon Urs Knapp und Marius Knott reflektierten die Teilnehmenden zudem auf das Gelernte aus den vergangenen fünf Workshops.

Ermöglicht durch die Förderung der Europäischen Union war die Teilnahme kostenfrei. Die „Digital Scouts“-Reihe zeigt damit erneut, wie nachhaltige Unterstützung für den Mittelstand gelingen kann – strukturiert, praxisorientiert und mit echtem Mehrwert für die Unternehmen der Region.

Wandel, Vernetzung, Zukunft: Industriekonferenz Südwestfalen 2025

Gestern fand im Städtischen Saalbau in Iserlohn-Letmathe die Industriekonferenz Südwestfalen unter dem Motto „Wandel gemeinsam gestalten“ statt. Mehr als 250 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Verbänden, Unternehmen und Hochschulen kamen zusammen, um sich über die aktuellen Herausforderungen und Chancen der wirtschaftlichen Transformation in der Region auszutauschen.

Die Konferenz bot ein vielseitiges Programm aus Impulse‑Vorträgen, Praxisbeispielen und Netzwerkformaten, das die Dringlichkeit und Vielfalt des Strukturwandels in Südwestfalen widerspiegelte. In Keynotes und Diskussionsrunden wurden Themen wie Digitalisierung, nachhaltige Geschäftsmodelle, Fachkräftesicherung und die Zukunft der Industrie beleuchtet und gemeinsam mit den Teilnehmenden reflektiert. Hochrangige Sprecherinnen und Sprecher – darunter politische Vertreter aus NRW, Wirtschaftsvertreter und Expertinnen aus Wissenschaft und Praxis – unterstrichen die Bedeutung regionaler Zusammenarbeit und gemeinsamer Innovationskraft für die Zukunftsfähigkeit des Industriestandorts.

Ein besonderer Fokus lag auf dem Austausch und der Vernetzung: Im Rahmen des „Marktes der Möglichkeiten“ hatten alle Gäste Gelegenheit, sich über konkrete Projekte, Initiativen und Förderangebote zu informieren und direkt ins Gespräch zu kommen. Das Format wurde sehr gut angenommen und bot Raum für wertvolle Begegnungen zwischen Unternehmensvertretern, Forscherinnen und Forschern sowie politischen Akteurinnen und Akteuren.

Auch der EDIH Südwestfalen war mit einem Team vor Ort vertreten und nutzte die Plattform, um Praxisprojekte, Unterstützungsangebote und zukünftige Aktivitäten im Bereich digitaler Transformation zu präsentieren. Durch direkte Gespräche mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern, interessierten Unternehmen und Netzwerkpartnern konnte der EDIH Einblicke in seine Arbeit geben und zeigen, wie Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und neue digitale Kompetenzen in der regionalen Wirtschaft greifbar gemacht werden.

Insgesamt zeigte die Industriekonferenz den starken Willen und die vielfältigen Anstrengungen in Südwestfalen, den Wandel aktiv zu gestalten, neue Impulse aufzunehmen und gemeinsame Lösungsansätze für die Herausforderungen der Zukunft zu entwickeln. Die Veranstaltung hat nicht nur wichtige Perspektiven aufgezeigt, sondern auch die Bedeutung von Kooperation, Vernetzung und praxisnaher Unterstützung als Schlüssel für nachhaltige Entwicklung in der Region hervorgehoben.

 

Impressionen:

 

Sozio-Robotisches System im Praxistest – Projektentstehung, Chancen und Grenzen im Klinikalltag

Digitale Innovationen halten zunehmend Einzug in die Gesundheitsversorgung und verändern auch die Pflege – und wer könnte besser Ideen für diese Zukunft entwickeln als die Menschen, die schon selbst am Patientenbett stehen? Genau das war der Gedanke hinter einem gemeinsamen Projekt der Universität Siegen und der Diakonie in Südwestfalen. Gemeinsam mit den lokalen Pflegeschulen entstand das Projekt „Zukünftige Berufswelten in der Pflege – Deine Ideen“, bei dem Pflegeschülerinnen und Pflegeschüler eigene Zukunftsszenarien für die Pflege entwickeln konnten.

Insgesamt nahmen vier Pflegeschulen, fünf Dozierende sowie 22 Auszubildende teil. Unterstützt von Forschenden aus den Bereichen Wirtschaftsinformatik und Neue Medien überlegten sie, wie digitale Helfer den Alltag in der Pflege erleichtern könnten. In Workshops wurden aktuelle Herausforderungen gesammelt, Zukunftsbilder entworfen und anschließend in kleinen Prototypen und Erzählungen – sogenannten „Care Fictions“ – umgesetzt.

Ein besonders anschauliches Beispiel stammt vom Pflegebildungszentrum der Diakonie: Gemeinsam mit ihren Pflegepädagoginnen entwickelten Auszubildende das Szenario „Digitale Unterstützung für Orientierung und Navigation im Krankenhaus“. Die Idee: Ein Roboter begleitet Patientinnen und Patienten durch das Krankenhaus, weist ihnen den Weg zu Untersuchungen oder Behandlungen und unterstützt damit Abläufe, in denen viele Mitarbeitende und Abteilungen involviert sind. Gleichzeitig entlastet er das Pflegepersonal, das so mehr Zeit für die eigentliche Betreuung der Menschen hat.

Zum Abschluss stellten die Projektgruppen ihre Ergebnisse nicht nur in den Schulen, sondern auch öffentlich vor – mit Gästen aus Politik, Angehörigen und Interessierten. Damit wurde deutlich: Pflege ist ein Beruf mit Zukunft, in dem digitale Innovationen eine wichtige Rolle spielen werden. Und die kommenden Fachkräfte im Kreis Siegen-Wittgenstein sind bestens vorbereitet, diese Zukunft aktiv mitzugestalten.

Ergebnisse und Perspektiven für die Pflegepraxis

Ein Pilotversuch am Jung-Stilling-Krankenhaus der Diakonie in Südwestfalen erprobte anschließend den Serviceroboter Temi im Klinikalltag. Über einen Zeitraum von zehn Tagen begleitete er Patientinnen auf einer gynäkologischen Station beispielsweise bei der Aufnahme oder auf dem Weg ins Arztzimmer – mit dem Ziel, das Pflegepersonal zu entlasten.

Die Reaktionen der Patientinnen waren überwiegend positiv: Viele zeigten sich neugierig, lobten den Einsatz als „super“ oder „richtig gut“ und verabschiedeten sich am Ende sogar persönlich bei Temi. Auch Angehörige waren interessiert und hielten den Einsatz des Roboters fotografisch fest.

Das Pflegepersonal sah sowohl Chancen als auch Grenzen. Besonders positiv hervorgehoben wurde Temis ruhige und gleichmäßige Art der Kommunikation sowie sein Potenzial, Routineaufgaben zu übernehmen und so Zeitressourcen freizusetzen. Gleichzeitig wurde deutlich: Bestimmte Aufgaben – etwa der Umgang mit komplexen emotionalen Situationen – bleiben weiterhin klar in menschlicher Hand. Während einige Pflegekräfte Temi als „frischen Wind“ erlebten, äußerten andere zunächst Skepsis. Mit zunehmender Erfahrung zeigte sich jedoch: Der Roboter ist keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung – und genau so soll er verstanden werden.

Technische Herausforderungen und Entwicklungspotenzial

Wie bei vielen neuen Technologien zeigte sich in der Praxis, dass noch nicht alles reibungslos funktioniert. Temi konnte beispielsweise Türen nicht selbstständig öffnen und benötigte teilweise Unterstützung bei der Navigation oder Darstellung von Texten. Auch die stabile Internetverbindung spielte eine wichtige Rolle für seine Einsatzfähigkeit. Diese Punkte verdeutlichen, wo das System noch verbessert werden kann.

Statt als Mängel wurden diese Erfahrungen von den Beteiligten jedoch als wertvolle Hinweise gesehen: Sie zeigen, worauf es bei einer Weiterentwicklung ankommt – etwa mehr Benutzerfreundlichkeit, höhere Zuverlässigkeit und eine noch stärkere Anpassung an die Bedürfnisse von Patientinnen und Pflegepersonal.

Für die Zukunft wird entscheidend sein, die technische Stabilität weiter zu erhöhen und die Interaktion an den Klinikalltag anzupassen – etwa durch langsamere Fahrgeschwindigkeit, visuelle Unterstützung oder mehrsprachige Bedienoptionen. Gelingt dies, könnte Temi tatsächlich einen wichtigen Beitrag leisten: als verlässlicher Helfer für Routinetätigkeiten, der Pflegekräfte unterstützt, ohne das persönliche Verhältnis zwischen Pflegenden und Patientinnen zu ersetzen.